Einführung und praktische Tipps

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Unsere Autorin Maria Paizi stellt ihrem Buch "Vom Buchstaben zur Silbe in kleinen Schritten" folgende Einführung voran:

Das Lehrmaterial zum Silbenaufbau

Die Lesefähigkeit ist eine der Schlüsselkompetenzen für den Wissenserwerb und für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Neben dem funktionalen Nutzen der Lesefähigkeit gibt es eine Wechselwirkung zwischen kognitiven Fähigkeiten (Aufmerksamkeit, optische und akustische Wahrnehmung, Kurz- und Langzeitgedächtnis sowie sensorische Integration) und dem Lesen. Die Schülerinnen und Schüler verbessern durch das Lesen die kognitiven Fähigkeiten und durch die Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten wird das Erlernen des Lesens erleichtert.

Für die meisten Schülerinnen und Schüler wird der Lernprozess durch den normalen Schulunterricht erreicht. Es gibt jedoch einen signifikanten Prozentsatz von Schülerinnen und Schülern, die es nicht schaffen, den Mechanismus, der sich hinter der Lesefähigkeit verbirgt, zu verstehen, wodurch sie Schwierigkeiten haben oder nie lesen lernen.
Umso wichtiger ist es, gerade auch den schwächeren Schülerinnen und Schülern Arbeitsmaterialien an die Hand zu geben, die den Erwerb der Lesefähigkeit kleinschrittig fördern.

Ziel meines Lehrmaterials ist es, dass die Schülerinnen und Schüler, die mit dem Lesen beginnen, verstehen, dass das geschriebene Wort eine Kodierung der gesprochenen Sprache ist und dass die Grapheme (die kleinsten bedeutungsunterscheidenden grafischen Einheiten des Schriftsystems) Zeichen sind, die die Laute (Phoneme) darstellen. Der Laut „ei“ kann z. B. mit den Graphemen „ei“ oder „ai“ dargestellt werden.
Zunächst müssen die Schülerinnen und Schüler dafür die Phoneme als Grapheme erkennen. Sobald sie diese erkennen, können sie sie zu Silben zusammensetzen. Dies bildet die Grundlage für die Lesefähigkeit.

Im Lehrmaterial liegt der Schwerpunkt auf der Präsentation, Analyse, Zusammensetzung und der Wahrnehmung von Graphemen und Silben. Hierzu gibt es eine Vielzahl von Übungen. Es ist wie ein Lehrgang aufgebaut, sodass die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt an das Thema herangeführt werden.
Das Erlernen der Anfangssilbenkombination erfolgt dabei in einer einfachen und abgestimmten Folge, damit die Schülerinnen und Schüler nicht durch Fehlversuche entmutigt werden.

Die Darstellung von Graphemen und Silben unterliegt einer bestimmten Reihenfolge. Zunächst werden die am häufigsten vorkommenden Grapheme und Silbenkombinationen vorgestellt. Darauf aufbauend folgen Übungen zu weiteren Graphemen und Silbenkombinationen, in denen die bereits erlernten Inhalte wiederholt werden.
Diese häufigen Wiederholungen helfen der Lehrkraft dabei zu erkennen, welche Elemente konsolidiert und automatisiert wurden und welche wiederholt werden müssen. Sie fördern darüber hinaus die Erfolgserlebnisse bei den Schülerinnen und Schülern, sodass diese Sicherheit im Umgang mit den Graphemen und Silben erlangen. Erst dann können sie an neue und komplexere Silbenkombinationen herangeführt werden.
Das Lernmaterial verarbeitet dabei 20 Konsonanten (B, C, D, F, J, G, H, K, L, M, N, P, Q, R, S, T, V, W, X, Z) in Kombination mit 5 Vokalen (A, E, I, O, U). Es ist für jede Konsonant-Vokal-Kombination in sechs Abschnitte gegliedert:

  • Präsentation des Buchstabens
  • Silbenerstellung
  • Silbenerkennung/Silbenpaarung
  • Silbenlesen/Silbenlese-Tab
  • Silbenwiederholung/Schnelllesefenster
  • Übungsblätter

Aufgrund der Schwierigkeiten vieler Schülerinnen und Schülern in der Feinmotorik wird bewusst auf Aktivitäten, die das Schreiben einbeziehen, verzichtet.
Stattdessen arbeiten die Schülerinnen und Schüler viel mit Schere, Kleber und Buntstift, damit die Feinmotorik dadurch trainiert wird.

 

Erfahrungen mit dem Lehrmaterial

Die Lehrmaterialien sind allesamt in der Unterrichtspraxis in einer Sonderschule erprobt worden. Die Schülerinnen und Schüler waren dabei meine Begleiter, die mich führten und mir auf ihre eigene emotionale Art (Freude, Interesse und Motivation, aber auch Negativität, Langeweile und Schwierigkeiten) zeigten, welcher Lehrstoff bleiben, verändert oder entfernt werden sollte.
Am Ende der Lerneinheiten (ca. 30 Sessions) waren die Schülerinnen und Schüler in der Lage, einzelne Silben, zweisilbige und dreisilbige Wörter mit den behandelten Silbenkombinationen zu erkennen und zu lesen. Sie verstanden den Mechanismus hinter dem Wortverständnis (Wort/Bezug auf ein Objekt) und experimentierten mit Kombinationen, um das Gelesene zu verstehen.