Schwierige Schüler in der Förderschule – ein Vorwort

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Hier lesen Sie einen Auszug aus dem Vorwort, das die AutorInnen dem Band "Schwierige Schüler – Förderschule" voran gestellt haben:

Dieses Buch richtet sich an Lehrkräfte, die mit Kindern und Jugendlichen mit einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf arbeiten. Es bietet Informationen über Förderaktivitäten und Handlungsmöglichkeiten, die bei einer Vielzahl der SuS mit gravierenden Schwierigkeiten im schulischen Lernen angezeigt sind. Verschiedene Studien zeigen, dass fast alle SuS mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf, insbesondere in den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache und emotional-soziale Entwicklung, nicht nur im „attestierten“ Förderschwerpunkt Förderung brauchen, sondern auch in angrenzenden Bereichen.
Gerade Kinder mit deutlichen Schulleistungsrückständen weisen eine Vielzahl an Entwicklungsproblemen auf.

Auch in Berichten über Kinder mit einem festgestellten Förderbedarf im Förderschwerpunkt emotional-soziale Entwicklung finden sich häufig Hinweise auf Förderbedarfe in schulischen Leistungsbereichen als auch der sprachlichen und motorischen sowie kognitiven Entwicklung. Erläutern Sprachheilpädagogen die Förderbedarfe der von ihnen betreuten Kinder, beziehen sich diese nicht nur auf sprachliche Fähigkeiten, sondern es geht meistens auch um Bereiche wie Motorik, insbesondere Grafomotorik, Lesen, Rechtschreiben und Mathematik, Sozial- und Arbeitsverhalten, Selbstkonzept und Selbstwertgefühl sowie kognitive Strategien.
Ähnliche Berichte über komplexe Förderbedarfe finden sich bei Sonderpädagogen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, deren Hauptschwierigkeiten die Bereiche Hören, Sehen, motorische und kognitive Entwicklung betreffen. Ziel dieses Buches ist die Unterstützung der Förderung von Kindern und Jugendlichen mit einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf.
Durch die Bereitstellung von Informationen über Handlungsmöglichkeiten bzw. Förderaktivitäten, die über die Arbeit im jeweils festgestellten Förderschwerpunkt hinausgehen, soll es gelingen, die von der jeweiligen Lehrkraft in Studium und Beruf erworbenen individuellen Handlungskompetenzen zu erhöhen.
In diesem Buch liegen dabei die Schwerpunkte auf der Förderung des Verhaltens sowie sozialer und emotionaler Kompetenzen als auch des Selbstkonzepts und des Selbstwertgefühls. Hinzu kommen Informationen zur Förderung sprachlicher Fähigkeiten, der (Grafo-)Motorik und des induktiven Denkens. Die hier dargestellten Handlungsmöglichkeiten sollen und können keine umfassenden förderschwerpunktspezifischen Handlungskonzepte ersetzen. Sie sind daher als Ergänzung und Vervollständigung zu den Handlungsmöglichkeiten von z. B. Sprachheil-, Lernbehindertenoder Körperbehindertenpädagogen zu verstehen, durch die es auch gelingen kann, die förderschwerpunktübergreifende Kooperation zu erleichtern.

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Das Buch umfasst insgesamt 15 Planungshilfen. Der Begriff „Planungshilfen“ soll den pragmatischen Charakter dieses Buches betonen. Es soll ein Werkzeug für die tägliche Lehrerarbeit sein. Anstelle von umfangreichen, hoch elaborierten Studientexten über Förderbedarfe und deren Art, Vorkommen, Häufigkeit, Bedingungsfaktoren, Erklärungs- und Handlungsmodelle sowie Informationen zur Diagnostik und Förderung besteht dieses Buch in erster Linie aus sehr konkreten, empirisch bewährten und praxisnah geschilderten Handlungsmöglichkeiten.
Zudem liefert Ihnen dieses Buch grundlegendes Wissen zu spezifischen Themen der Förderung durch informierende Basistexte für jeden der angesprochenen Bereiche.
Aufgrund des hohen Ausbildungsstands von Lehrkräften im deutschsprachigen Raum gehen wir davon aus, dass die hier vorgestellten Methoden sehr reflektiert innerhalb eines umfassenden förderpädagogischen Handelns verwendet werden, das sowohl auf die Selbst- und Mitbestimmungsfähigkeit als auch auf die Sach-, Methoden-, Selbst- und sozial-emotionale Kompetenz von Kindern und Jugendlichen ausgerichtet ist.
Der überwiegende Teil der hier dargestellten Handlungsmöglichkeiten basiert auf empirischen Forschungsergebnissen unter Berücksichtigung von Wirksamkeitsnachweisen. Eigene Studien belegen, dass gerade die Förderung des Verhaltens und übungsabhängiger Schulleistungen mit den verhaltensbezogenen Planungshilfen.
Wir gehen davon aus, mit der Erweiterung der Planungshilfen die Chancen auf Fördererfolge weiter zu erhöhen. Wir freuen uns, Ihnen mit diesem Buch 15 Planungshilfen mit 84 Handlungsmöglichkeiten zur Vorbereitung und Evaluation der Förderung von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf vorlegen zu können und wünschen Ihnen viel Erfolg in Ihrer pädagogischen Arbeit.